Modul 5 – Arbeit mit weiblichen Opfern & ihren Kindern

Herzlich willkommen! Am Ende dieses Moduls werden Sie Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten in folgenden Bereichen erweitern:

  1. Verständnis für Hürden bei der Anzeigestellung: die Herausforderungen, denen Frauen beim Anzeigen von geschlechtsspezifischer Gewalt begegnen und wie man ihnen den Prozess erleichtern kann.
  2. Traumasensible Ansätze: Erkennen Sie die emotionalen Auswirkungen von Gewalt und nutzen Sie unterstützende Methoden, um bei der Aufnahme der Aussage weitere Belastungen zu vermeiden.
  3. Unterstützung verschiedener Opferbedürfnisse: Wie Sie Ihren Ansatz anpassen können, um verschiedenen Gruppen zu helfen, z. B. jungen Menschen, älteren Erwachsenen, Migrantinnen oder Menschen mit Behinderungen.

Wichtige Leitgedanken bei Verfahren von GBV

Entgegennahme der Anzeige

Hindernisse bei der Anzeige von häuslicher Gewalt

Posttraumatische Belastungsstörung

Vermeidung von “Re-Viktimisierung”

Whistleblower-Schutz und Umsetzung von Schutzmaßnahmen

Bedürfnisse von besonders „vulnerablen“ Betroffenen

Bedürfnisse verschiedener Altersgruppen

Opfer mit geistigen Behinderungen

Opfer mit Migrationshintergrund

Opfer mit minderjährigen Kindern

Opfer, die in kleinen und/oder ländlichen Ortschaften wohnen

Wiedereinführung geschlechterbezogene Gewalt (GBV)

Geschlechtsspezifische Gewalt (GBV = gender based violence) bezieht sich auf Gewalt, die sich gegen eine Person aufgrund ihres Geschlechts richtet oder von der Personen eines bestimmten Geschlechts unverhältnismäßig stark betroffen sind. Während häusliche Gewalt (HG) in familiären oder intimen Beziehungen auftritt, umfasst GBV alle Formen von Gewalt, die auf ungleicher Machtdynamik beruhen, einschließlich Gewalt außerhalb des häuslichen Umfelds.

Warum der Fokus auf GBV in diesem Modul?

Umfassender Einblick

Dieses Modul hebt hervor, wie GBV Frauen über das häusliche Umfeld hinaus betrifft und betont die Situation von Opfern mit besonderen Bedürfnisse, z.B. hohes Alter, Behinderungen, Migrationsstatus oder andere „Vulnerabilitäten“.

Intersektionalität und Gewalt

Der intersektionale Blick auf GBV ermöglicht uns, übergreifende Faktoren - wie soziokulturelle Faktoren, gesellschaftliche Normen oder systemische Barrieren – zu erkennen.

Verbesserung des Polizeieinsatzes

Das Verständnis von GBV versetzt die Polizei in die Lage, verschiedene Formen des Missbrauchs besser zu erkennen, darauf zu reagieren und sicherzustellen, dass alle Opfer mit Empathie und Professionalität behandelt werden.

Aufnahme von Anzeigen bei geschlechtsspezifischer Gewalt

Ein hoher Prozentsatz der Frauen gab an, dass sie es bedauerten, Anzeige erstattet zu haben, und dass sie es in Zukunft nicht mehr wagen würden, dies zu tun. Sie erklärten auch, dass sie, wenn eine Frau in ihrem Umfeld um Rat fragen würde, diese ihr von einer Anzeige abraten würden.

  • Das Trauma, der Schock und die emotionale Belastung, die mit einer solchen Gewalttat einhergehen, können das Verhalten der Betroffenen beeinflussen.
  • Oft handelt es sich um kontinuierliche Misshandlungen über Wochen, Monate oder Jahre.
  • Betroffene sind häufig mit einer Reihe komplexer körperlicher und emotionaler Probleme konfrontiert, die Genauigkeit ihrer Aussagen beeinträchtigen können und die Arbeit der Polizei erschweren.
  • Wenn die Beamten diese Faktoren nicht in jeder Phase der Ermittlungen berücksichtigen, können sie die Opfer im Schlimmsten Fall erneut traumatisieren.

Wie bereits erwähnt, bringt dieses Training die Erfahrungen von Frauen aus verschiedenen europäischen Ländern zusammen. In einigen Kontexten können bestimmte Praktiken wie diese außerhalb der nationalen Protokolle liegen, aber wir glauben, dass der Austausch dieser Erfahrungen für das Verständnis des weltweiten Umgangs mit geschlechtsspezifischer Gewalt bereichernd sein kann.

Hürden für das Anzeigen von GBV

Ein typisches Merkmal von GBV ist, dass die Misshandlung oft über einen längeren Zeitraum hinweg stattfindet

~ 0 Jahre
Benötigt eine Frau in Spanien i.d.R., um eine Misshandlung zu melden

wesentliche Gründe dafür sind:

Sozioökonomische Faktoren: z.B. ökonomische Abhängigkeit oder gemeinsame Kinder

Psychologisch-emotionale Faktoren: z.B. Furcht vor Konsequenzen, Manipulation durch den Täter (“sie hat es verdient”), Gefühle der Hoffnungslosigkeit oder Depression.

Physisches Risiko: In den extremsten Fällen könnten die Opfer sich selbst oder ihre Kinder einem Risiko aussetzen.

Es ist wichtig, dass die Polizei so weit wie möglich die Barrieren abbaut, die die Opfer von einer Anzeige abhalten können.

Opfer von GBV sehen sich häufig vielen Barrieren ausgesetzt:
  • Wenige zeitliche Ressourcen, um vom Täter umbemerkt eine Anzeige aufzusetzen.
  • Begrenzte Ressourcen in kleineren Polizeiwachen können dazu führen, dass Beamte aufgrund von Zeit- oder Personalmangel die Frauen bitten, später wiederzukommen.
  • Vorurteile oder Unverständnis für das Verhalten des Opfers können Beamte dazu bringen, das Opfer zu verurteilen (z.B. das Opfer dafür verantwortlich zu machen oder es nicht früher gemeldet zu haben).

Der Polizist, der sich um mich kümmerte, sagte mir, dass dies nichts bringen würde, dass ich vier Stunden dort bleiben würde, dass ich es melden oder gehen müsse“.

-HG Überlebende

  • Daten aus: ‚’Estudio sobre el tiempo que tardan las mujeres víctimas de violencia de género en verbalizar su situación‘’ (Studie über die Zeit, die Frauen, die Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt sind, benötigen, um ihre Situation zu verbalisieren). Regierungsdelegation für geschlechtsspezifische Gewalt”.

  • Frauen melden sich in der Regel dann, wenn sie sich bereits in einem Zustand extremer Verzweiflung befinden und es nicht mehr ertragen können.

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) & GBV

PTBS ist eine psychische Störung, welche die mentale & physische Gesundheit beeinträchtigt
Sie tritt häufig bei Frauen auf, die körperliche, psychische oder sexuelle Gewalt erlitten haben. PTBS ist häufig unterdiagnostiziert & und wird manchmal mit Störungen wie z.B. Depression verwechselt

Die Hauptsymptome sind normalerweise:

  • Unkontrolliertes gedankliches Wiedererleben des traumatischen Ereignisses.
  • Vermeidung aller Hinweisreize (“Trigger”) auf das traumatische Ereignis.
  • Negative Veränderungen der Stimmung, Gedächtnisprobleme (verzerrte Wahrnehmung, Schuldgefühle, Scham, Distanzierung von der Familie oder Freunden).
  • Veränderungen physiologischer & emotionaler Reaktionen (Alarmbereitschaft, Schlaf- und Konzentrationsschwierigkeiten, Reizbarkeit, Schreckhaftigkeit, Selbstdestruktives Verhalten…).
Diese Symptome zeigen den hohen emotionalen & psychologischen Tribut für die Betroffenen, erhöhen ihre Verletzlichkeit & behindern die Heilung. Sie können auch die polizeilichen Ermittlungen erschweren.
  • Weitere Informationen: Guerrero-Vaca, Darío; García-Ramos, Carolina; De los Ángeles, Peñafiel; Flores-Fernández, Verónica (2021) ”Trastorno de estrés postraumático en mujeres víctimas de violencia. A review. Revista Científica Dominio de las Ciencias.

  • Die Psychotherapie ist die am häufigsten angewandte Behandlung und konzentriert sich in der Regel auf die kognitive Umstrukturierung zur Bewältigung des traumatischen Ereignisses. Auch pharmakologische Behandlungen werden eingesetzt, insbesondere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI).

  • Die Nachwirkungen einer PTBS können langanhaltend sein und ein erheblicher Anteil der Opfer hat noch lange nach dem Erlebnis lebhafte Erinnerungen oder Flashbacks an das traumatische Ereignis bzw. die traumatischen Ereignisse.

Behandlung physischer Verletzungen

Wenn Verletzungen festgestellt werden (durch Beamte oder die Betroffenen selbst):

  • Sie sollten sich so schnell wie möglich zu einem Arzt begeben, um zu vermeiden, dass der Anlass für die Anzeige in Frage gestellt wird.
  • Dies sollte idealerweise geschehen, bevor die Polizei Anzeige erstattet, damit das Attest in den Polizeibericht aufgenommen werden kann.
  • Wenn die Verletzungen und/oder der emotionale Zustand der Frau schwerwiegend sind, sollte das Opfer von einem Beamten begleitet werden.
  • Ein Fotoprotokoll der Verletzungen sollte angefertigt und der Anzeige beigefügt werden.
  •  

Nach dem Einreichen der Anzeige

Die Betroffenen sollten idealerweise mit zwei Arten von Dienstleistungen in Kontakt gebracht werden:

Einer Fachkraft mit einer speziellen Traumaausbildung (Sozialarbeiter, Psychologen), die Betroffenen emotional/psychologisch auf das Verfahren vorbereiten können.

Ein auf GBV spezialisierter Anwalt für die rechtliche Vertretung, Informationen über den Ablauf des Gerichtsverfahrens, rechtlichen Maßnahmen usw

Zusätzlich ist es wichtig, dass die Fachkräfte…

  • der Betroffenen ausführliche Anweisungen geben, wie sie ihre Anzeige strukturieren muss, damit sie wirksam ist.
  • sicherstellen, dass die Betroffene in der Lage ist, die Vorfälle genau zu erzählen, sodass die Dauer, Schwere und Häufigkeit aus ihrer Sicht beschrieben wird. Es ist wichtig, dass sie die gesamte Gewalthistorie beschreibt und nicht nur einzelne Ereignisse.
  • Be geduldig und verständnisvoll, sind und dem Opfer Zeit geben, den Schock und den Stress zu verarbeiten.
  • Mit dem Opfer eine Risikobewertung und Sicherheitsplanung durchführen.
  • In Spanien z. B. kann eine Frau auf Antrag eine*n Pflichtverteidiger*in erhalten, aber das dauert sehr lange, so dass viele Frauen darauf verzichten, da sie sich in Gefahr begeben, wenn sie mit der Anzeigeerhebung warten. Der kostenlose Rechtsbeistand muss schnell und spezialisiert sein.

  • Damit dies möglich ist, müssen Vermittlungsmechanismen eingerichtet werden, entweder systematisch oder auf individueller Ebene (z. B. verweist ein Polizeibeamter an einen Sozialarbeiter oder einen Anwalt, der für eine örtliche Unterkunft arbeitet).

Jedes Mal, wenn ich zur Polizei gehe, komme ich weinend wieder heraus, weil ich das Gefühl habe, dass man mir nicht glaubt“.

-VG Überlebende

Einige der befragten Frauen sagten, sie seien überrascht gewesen, als sie die Informationen in der Anzeige vor der Polizeiwache gelesen hätten.

Dies kann großen Kummer verursachen.

  • Die Beamten sollten immer bedenken, dass die Umstände der Frau und die Auswirkungen des Erlebten zu Verwirrung oder sogar Gedächtnislücken führen können. Es kann auch sein, dass sie das Geschehen herunterspielt oder aus Angst, wegen Drohungen oder weil sie unter Schock steht, Fakten weglässt.
  • Die Polizei sollte alle Beweise sammeln und dem Bericht beifügen, die das Opfer zur Verfügung stellen kann, unabhängig davon, ob es sich um physische oder digitale Beweise, Zeugenaussagen oder Bilder handelt.
  • Alle Personen, die Informationen, Beweise oder Kenntnisse über die Gewalttat haben, sollten in der Anzeige genannt werden, damit sich die Geschichte nicht nur auf das Opfer stützt.
  • Das Motiv für die Anzeige sollte niemals heruntergespielt und die Entscheidungsfindung der Frauen nicht bewertet werden.
  • Das Opfer und der Täter sollten sich niemals begegnen.
  • Das Opfer kann bei der Erstellung der Anzeige von einer vertrauenswürdigen Person begleitet werden.
  1. Es sollte nicht nur darauf verzichtet werden, die Klägerin unter Druck zu setzen, das Verfahren abzuschließen, bevor sie sich dazu bereit fühlt, sondern auch von ihr zu verlangen, dass sie eine missbräuchliche Beziehung, die möglicherweise jahrelang gedauert hat, nur in aktuellen und/oder konkreten Fakten zusammenzufassen. Es ist wichtig, dass die Frau auch auf den Kontext der alltäglichen Gewalt sowie auf die gewalttätigen Verhaltensweisen im Alltag achtet, die vielleicht nicht der Auslöser für die Klage waren, die jedoch bedeutsam sind und so verstanden werden sollten, dass die Klägerin nicht Opfer eines oder mehrerer isolierter Gewaltereignisse ist, sondern um Hilfe bittet, weil sich ihr Alltag in einem grundsätzlich unsicheren Umfeld abspielt.

  2. Frauen berichten immer wieder, dass sie sich hilflos fühlen, wenn sie feststellen, dass sie sich zum Zeitpunkt der Anzeige nicht mehr an wichtige Informationen erinnern können, z. B. mit wem sie zusammen waren, wann es passiert ist, was sie danach getan haben usw.

 

DOKUMENTATION DER ANZEIGE:

  • Formulare sollten auf Anfrage bei den Polizeidienststellen erhältlich sein.

  • Es sollten auch möglich sein, eine Anzeige online einzurichten.

  • Die Dienstnummer des Beamten sollte sichtbar sein oder zumindest auf Wunsch mitgeteilt werden.

  • Bevor die Frau den Bericht unterschreibt, sollte sie ausreichend Zeit haben, die von dem Beamten gesammelten Informationen im Detail zu überprüfen, und gegebenenfalls einen Rechtsbeistand in Anspruch zu nehmen.

  • Das Opfer sollte auch über die Verpflichtung der Beamten informiert werden, von Amts wegen Anzeige zu erstatten, wenn sie den Verdacht haben, dass geschlechtsspezifische Gewalt vorliegt, und zwar in Fällen, in denen die Frau nach einem Gespräch mit den Beamten beschließt, keine Anzeige zu erstatten.

  • Die Antragstellerin muss eine Kopie der unterzeichneten Anzeige erhalten.

Vermeidung von Reviktimisierung während der Ermittlungen

Eine erneute Viktimisierung im Rahmen polizeilicher Ermittlungen liegt vor, wenn ein Opfer einer sensiblen oder traumatischen Straftat aufgrund des Ermittlungsverfahrens ein weiteres Trauma erlebt. Dies kann der Fall sein, wenn ein Beamter:

  • Das Opfer für die erlittenen Misshandlungen verantwortlich macht oder dafür, nicht früher Anzeige erstattet zu haben.
  • Die Bedeutung der Misshandlung herunterspielt.
  • Das Opfer nach überflüssigen und intimen Einzelheiten befragt.
  • Das Opfer aggressiv verhört.
  • Die Möglichkeit eines posttraumatischen Schocks ignoriert.

Einige Frauen berichten uns, dass sie sich, wenn sie sich entschließen, ihren Partner oder Ex-Partner anzuzeigen, oft von den Fachleuten, die sie betreuen, in Frage gestellt fühlen, und einigen Frauen wurde sogar geraten, keine Anzeige zu erstatten”.

NGO Fachkraft, spezialisiert auf die Arbeit mit Opfern

Eine Möglichkeit diese Risiken zu minimieren liegt darin, möglichst standardisierte Fragen zu verwenden und subjektive oder voreingenommene Fragen zu vermeiden.

Beratung von Opfern nach der Anzeige

Wenn Sie Ihren Angreifer anzeigen, ist das nicht das Ende, sondern der Anfang einer weiteren Tortur. Psychisch sind Sie in einer sehr schlechten Verfassung und brauchen Unterstützung, die Sie oft nicht finden. Warum habe ich Anzeige erstattet, wenn ich am Ende nichts bekommen habe?

Überlebende von GBV.

Es sollte nie davon ausgegangen werden, dass die Betroffene weiß, wie das Verfahren abläuft, oder dass sie weiß, was zu tun ist, wenn sie ihren missbrauchenden Partner verlassen hat. Die Polizei sollte schriftliche Leitlinien in einfacher, leicht verständlicher Sprache zur Verfügung stellen, die:

  • Schritt für Schritt erklären, wie eine Anzeige zu erstatten ist und was die Frau danach von der Polizei und den Gerichten zu erwarten hat, und zwar auf einfache Weise.
  • Informationen über staatliche, regionale und kommunale Ressourcen* geben, wie Beratungs-, Rechts- und Sozialdienste sowie NGOs zur Unterstützung von Opfern bereitstellen. Bereitstellung von Informationen über Ressourcen für Kinder.
  • Sicherheitsmaßnahmen erklärt.

 

Die Beamten sollten auch auf besondere Bedürfnisse eingehen, z. B. in Bezug auf Alter, Sprache, Behinderung, Familienverhältnisse usw.

Schutz der Betroffenen nach der Anzeige

In Spanien erhalten Frauen zum Beispiel einen personalisierten Sicherheitsplan.

Gemeinsam mit der Frau prüft der Beamte ihren möglichen Schutzbedarf und das System erstellt automatisch ein Dokument, das ihren Bedürfnissen entspricht: Arbeitet sie, hat sie Kinder usw.?

Dieser Sicherheitsplan wird, wenn er nicht im Detail vom Beamten mit der Frau besprochen wird, Teil der ihr ausgehändigten Papiere, ohne größere Auswirkungen für sie zu haben.

Umsetzung von Schutzmaßnahmen

  • Die erste Kontaktaufnahme sollte wenn möglich durch den Beamten persönlich erfolgen. Die Frau sollte an die Informationen erinnert werden, die ihr zum Zeitpunkt der Anzeige zur Verfügung gestellt wurden: verfügbare Ressourcen, Selbstschutzmaßnahmen sowie die polizeilichen und gerichtlichen Termine, an denen sie teilnehmen muss.
  • Bei Gefahr müssen polizeiliche Schutzmaßnahmen sichergestellt werden, auch wenn keine gerichtliche Schutzanordnung vorliegt oder diese bereits abgelaufen ist.
  • Es wird dringend empfohlen, der Frau die Telefonnummer(n) des zuständigen Sachbearbeiters mitzuteilen.
  • Wenn eine Anzeige erstattet wird, sollte die Polizei eine Gefährderansprache durchführen und ihm gegebenenfalls erlassene Maßnahmen (wie z.B. einstweilige Verfügung, Wegweisung) mitzuteilen.
  • Der Anblick von Streifenwagen in der Nähe der eigenen Wohnung, des Arbeitsplatzes oder der Schule der Kinder, und sei es auch nur gelegentlich, wird oft als Sicherheitsfaktor angesehen.
  • Beamte sollten einen gemeldeten Vorfall niemals herunterspielen und Verständnis für das Gefühl der Unsicherheit des Opfers haben.

Weibliche Opfer zwischen 16 und 18 Jahren

In der Makroerhebung 2019 über geschlechtsspezifische Gewalt ist ein spezieller Abschnitt den Frauen zwischen 16 und 24 Jahren gewidmet, da sie als besonders gefährdet gelten.

Laut der Umfrage ist die Häufigkeit von wiederholtem Stalking oder Belästigung bei Frauen im Alter von 16 bis 24 Jahren höher als bei Frauen ab 25 Jahren: 26,2 % haben dies irgendwann erlebt und 13,0 % bereits vor dem 15. Lebensjahr – im Vergleich zu 13,9 % bzw. 2,6 % bei Frauen ab 25 Jahren.

Alle Betreuungsbereiche sollten darauf hinwirken, das Bewusstsein dafür zu stärken, dass geschlechtsspezifische Gewalt eine Form der Gewalt gegen Frauen ist, allein aufgrund ihres Geschlechts, als erster Schritt zu ihrer Erkennung und späteren Beseitigung.

Opfer über 65 Jahre

In der Makroerhebung zu geschlechtsspezifischer Gewalt 2019 werden auch ältere Frauen als besonders gefährdete Gruppe identifiziert.

Wenn Beamte mit älteren Frauen zu tun haben, sollten sie sich bewusst sein, dass sie es möglicherweise mit jemandem zu tun haben, der nach lebenslanger Misshandlung endlich die Entscheidung getroffen hat, diese anzuzeigen. Der Umfrage zufolge haben Frauen im Alter von 65 Jahren und darüber die Beziehung zu einem früheren Partner aufgrund von Gewalt in weitaus geringerem Maße beendet (49,9 %) als Frauen im Alter von 16 bis 64 Jahren (81,4 %)”.

Der Prozess kann in diesen Fällen besonders schwierig und einsam sein, da diese Altersgruppe dazu neigt, die erlittenen Gewalttaten nicht mizuteilen. Laut der Makroerhebung 2019 „haben ältere Frauen den Menschen in ihrem Umfeld in geringerem Maße von der erlittenen Gewalt erzählt als andere Frauen: 54,5 % der Frauen im Alter von 65 Jahren und darüber haben den Menschen in ihrem Umfeld von der Gewalt erzählt, die einer ihrer Partner erlitten hat, verglichen mit 81,3 % der Frauen im Alter von 16 bis 64 Jahren, die geschlechtsspezifische Gewalt erlitten haben“.

Opfer mit intellektuellen Beeinträchtigungen

Die Prävalenz von GBV ist

~ 0 %

höher bei Frauen mit einer anerkannten Beeinträchtigung als bei Frauen ohne

Intersektionalität: Frauen mit geistigen Behinderungen sind einer doppelten Diskriminierung ausgesetzt: aufgrund ihres Geschlechts und aufgrund ihrer Behinderung, was zu einer Mehrfachdiskriminierung führen kann, wenn andere Faktoren wie Arbeitslosigkeit, Armut oder ethnische Zugehörigkeit hinzukommen.

Leichte Sprache ist wichtig. Das Verstehen der Informationen ist für Frauen mit geistiger Behinderung von zentraler Bedeutung, um selbst Entscheidungen treffen zu können

Es ist ratsam, für den Meldeprozess und die nachfolgenden Phasen des Prozesses Unterstützung bei Organisationen zu suchen, die auf GBV und Behinderung spezialisiert sind.

Women, disability and gender violence. Government Delegation against Gender Violence.

(DGVG, 2020). Laut der Makroerhebung über Gewalt gegen Frauen 2019 (DGVG, 2020) haben 20,7 % der Frauen mit einer anerkannten Behinderung körperliche oder sexuelle Gewalt durch ihren Partner erlitten, verglichen mit 13,8 % der Frauen ohne anerkannte Behinderung.

Migrantische Opfer

Opfer mit minderjährigen Kindern

Die Beamten müssen die Sicherheit sowohl der Kinder des Opfers als auch der Frau selbst berücksichtigen. Die Schutzmaßnahmen sollten auch auf die Kinder der Klägerin ausgedehnt werden, unabhängig davon, ob eine einstweilige Verfügung vorliegt oder nicht. Themen wie die Begleitung zur Schule werden von den Opfern immer wieder gefordert.

Es ist von größter Bedeutung, dass weibliche Opfer zum Zeitpunkt der Anzeige Informationen darüber erhalten, wo sie psychologische Unterstützung erhalten können.

Wir betrachten Kinder als direkte Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt. Deshalb geben wir ihnen bei der Betreuung neben ihren Müttern Vorrang“.

– Fachkraft einer mit GBV Opfern arbeitenden NGO.

Die psychologische Betreuung der Kinder ist eine wichtige Maßnahme, nicht nur, um ihr Wohlergehen und ihre psychische Gesundheit zu gewährleisten, sondern auch, um die Auswirkungen der Manipulation, die der Vater möglicherweise auf sie ausübt, als weitere Waffe gegen das Opfer zu verringern; insbesondere in Fällen, in denen sie noch mehr oder weniger Kontakt zum Vater haben. Diese mögliche Manipulation, insbesondere wenn die Kinder keine psychologische Hilfe erhalten, ist eine Möglichkeit, die Gewalt der Kinder gegenüber der Mutter sowie die Kontrolle des Aggressors über sie durch die Kinder zu fördern.

  • Wir betrachten Kinder als direkte Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt. Als solche haben sie für uns neben ihren Müttern Vorrang.

  • Wenn eine Frau, die geschlechtsspezifische Gewalt überlebt hat, minderjährige Kinder hat, müssen die Beamten die Sicherheit der Kinder ebenso berücksichtigen wie die der Frau selbst.

  • Um die angemessene Ausübung der im Gesetz vorgesehenen Rechte zu gewährleisten, erhalten Kinder und Jugendliche, die Opfer von Gewalt geworden sind, Hilfe und Unterstützung von den Büros für Opferhilfe, die als Koordinierungsmechanismus für die übrigen Ressourcen und Dienste zum Schutz von Minderjährigen fungieren.

  • Die psychologische Betreuung von Kindern, die von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen sind, wird immer wieder gefordert. Es ist äußerst wichtig, dass weibliche Opfer, die Anzeige erstatten wollen, zum Zeitpunkt der Anzeige klar darüber informiert werden können, zu welchen Diensten sie ihre Kinder begleiten können, um die notwendige Unterstützung zu erhalten.

  • Was die Schutzmaßnahmen betrifft, so sollten sie auch auf die Kinder der Klägerin ausgedehnt werden, unabhängig davon, ob eine einstweilige Verfügung vorliegt oder nicht. Themen wie Schulbegleitung werden von den Opfern immer wieder gefordert.

In diesem Zusammenhang müssen sich die Akteure der stellvertretenden Gewalt bewusst sein und wissen, dass sie eng mit der Angst der Mütter, z. B. vor dem gemeinsamen Sorgerecht, verbunden ist. Daher ist es wichtig zu betonen, dass die Tatsache, dass der Vater keine direkte Gewalt gegen seine Kinder ausübt, kein Grund ist, keine entsprechenden Schutz- und Betreuungssysteme einzurichten.

In Deutschland gilt in der Regel das gemeinsame Sorge- und Umgangsrecht. Ein getrenntes Sorge- bzw. Umgangrecht muss beim Familiengericht beantragt werden. In Fällen von Gewalt gegen die Mutter oder die Kinder kann das Jugendamt auf Antrag einen begleiteten Umgang (durch eine Fachkraft vom Jugendamt) einrichten.

Lesen Sie mehr über stellvertretende Gewalt.

Opfer in kleinen oder ländlichen Ortschaften

Die wichtigsten Erkenntnisse

Verstehen der Opfererfahrungen

GBV ist oft mit einem lang anhaltenden Trauma verbunden. Das Erkennen der emotionalen und körperlichen Auswirkungen ist für eine wirksame Unterstützung und Untersuchung unerlässlich.

Minimieren von Hindernissen und Retraumatisierung

Beseitigung von Hindernissen, die Opfer davon abhalten, Anzeige zu erstatten, und Vermeidung von Handlungen oder Haltungen, die sie während der Ermittlungen erneut traumatisieren könnten.

Anpassung der Maßnahmen an die Bedürfnisse der Opfer

Verschiedene Opfergruppen (Minderjährige, ältere Menschen, Migranten, Menschen mit Behinderungen) benötigen spezifische Unterstützung. Passen Sie Ihren Ansatz an, um eine gerechte Betreuung zu gewährleisten.

Die Bedeutung der Zusammenarbeit

Die Zusammen-arbeit mehrerer Behörden gewährleistet, dass die Opfer umfassende Unterstützung erhalten, einschließlich rechtlicher, sozialer und gesundheitlicher Dienste.

Ihre Rolle beim Aufbau von Vertrauen

Ein opferfreundlicher Ansatz fördert das Vertrauen, stärkt die Überlebenden und verbessert die Ergebnisse in GBV-Fällen.

Selbstbeurteilung